Gerade beim SMS-Aufräumen in meinem alten Handy gefunden, eine Nachricht von C.: "Nicht weil es schwierig ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen ist es schwierig."
Hmmm, ich weiß noch, was sie damit meinte. Ins gleiche Horn hat W.
kürzlich wiederholt gestoßen mit dem sinngemäßen Kommentar, "man muß
sich einfach öfter mal was trauen." Da weiß ich nicht so ganz, wie sie
das meinte.
Diese Woche habe ich mich was getraut, und zwar hatte
ich mich mit N. auf einen Kuhhandel eingelassen. Sie kommt mit mir ins
Total Body Workout, wenn ich vorher mit ihr zusammen zum Aerobic gehe.
Wir waren beide nicht glücklich damit, aber wir hatten es nunmal per
Handschlag besiegelt und versprochen ist versprochen. So hab ich mich
dann am Dienstag vor den ganzen Frauen zum Kasper gemacht, auch wenn
mir danach alle einreden wollten, ich hätte mich tapfer geschlagen. Und
N. fand das anschließende TBW gar nicht so schlimm wie befürchtet, aber
trotzdem werden wir diese Aktion wohl nicht so schnell wiederholen.
Oder
heißt sich etwas trauen doch etwas anderes, etwas mehr? So wie damals
in Dar es Salaam, wo H. und ich uns einen halben Tag im Ganovenviertel
Kariakoo herumgetrieben haben (bei Google gefunden: Bild 1, Bild 2),
auf der Suche nach Souvenir-Schnäppchen und uns anschließend
einheimische Tansanier völlig entsetzt anschauten und fragten, "wo seid
ihr gewesen? Kariakoo? Da würde selbst ich mich nicht reintrauen!" (An
dieser Stelle ein schöner Gruß an Winifrieda)
Letzteres hat mich
wenig Überwindung gekostet; für mich war das ein reizvolles Abenteuer,
an das H. allerdings noch heute mit Schaudern zurückdenkt. (Er erzählt
heute noch gerne die Geschichte, wie ich mich dort angeregt mit einem
Rasta-Mann unterhalten habe während H. die ganze Zeit über dachte, der
Rasta-Mann packe gleich den Knüppel aus, um ihn mir über den Schädel zu
ziehen und uns auszurauben.) Aerobic war mir bedeutend unangenehmer,
obwohl nicht mal alle Augen kritisch auf mich gerichtet waren, anders
als in Kariakoo, wo wir Wazungu (Weiße) extrem und merklich aufgefallen
sind und sich die Taschendiebe sicherlich diebisch (5 Euro in die
Wortspielkasse) über unseren Anblick gefreut haben.
Was heißt es
nun, sich etwas zu trauen? Habe ich mich in Kariakoo oder im
Fitness-Studio mehr getraut? Ängste und schlechte Erfahrungen
überwinden? Etwas riskieren, auch wenn man die Erfolgsaussichten auf 0%
schätzt? Oder einfach nur den inneren Schweinehund überwinden? Den
Point of no return abwarten/überschreiten und dann ist auch alles egal?
Das ist alles so schwammig.
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